Anwendung

Für die Vorbereitung des Interviews gibt es zumindest zwei Möglichkeiten:

  1. Interview beginnt mit neuer Datei bzw. leerem Blatt
  2. vor dem Interview werden von der Fachkraft bereits die aus den Akten ersichtlichen Daten eigetragen


ad 1.: Interview beginnt mit neuer Datei bzw. leerem Blatt

Der Interviewpartnerin  wird das Thema des Interviews angekündigt und es wird ein Termin vereinbart. Dafür ist mindestens eine Stunde zu reservieren und die Möglichkeit eines zweiten Termins anzukündigen. Sie wird gebeten, ggf. Unterlagen mitzunehmen, die die Rekonstruktion der Biografie erleichtern können – z.B. Dokumentnmappen, Fotoalben etc.

Die Interviewerin sollte ebenfalls alle Unterlagen bereitstellen, in denen Daten für die Biografie nachgeschlagen werden können. Das Interview beginnt dann i.d.R. mit den ersten Lebensjahren: Wann und wo geboren, mit wem zusammengewohnt in dieser Zeit usw.

ad 2.: vor dem Interview werden von der Fachkraft bereits die aus den Akten ersichtlichen Daten eigetragen

Peter und Kitty Lüdtke haben bei einem Projekt in Berlin eine andere Variante erfolgreich erprobt: Vor dem Gespräch mit den KlientInnen erstellten sie auf der Basis eines ausführlichen und genauen Studiums der Akten einen Zeitbalken. Dieser wurde dann den KlientInnen vorgelegt. Die KlientInnen ergänzen, kommentieren und korrigieren die Eintragungen. Der Vorteil dieser Vorgangsweise ist, dass die SozialarbeiterInnen sich im Vorfeld bereits mit der Vorgeschichte (ihren Lücken, ihrem organisationsbedingten Bias) beschäftigen und gegenüber den KlientInnen dann das Bild offenlegen, das die Organisationen von ihnen produziert haben. Diese Inszenierung entspricht den Kriterien eines offenen und respektvollen Vorgehens, da die SozialarbeiterInnen nicht so tun, als hätten sie (und die Organisation) kein Vorwissen. Ein weiterer Vorzug ist die Abkürzung des Verfahrens im KlientInnenkontakt und die Möglichkeit, schneller auf Wesentliches einzugehen.

Ereignisse werden mit einer senkrechten Linie markiert, Zeiträume mit einem Balken. Zur leichteren Verortung der Ereignisse sind unter der Altersspalte die Jahreszahlen eingetragen.

Interviewhinweise

Das Interview sollte sich eng an der Aufgabe der Erstellung der Timeline ausrichten. Sie steht im Vordergrund und gesprochen wird stets mit Bezug auf die Grafik. Der Blick der Interviewerin wechselt stetig von der Interviewten zur Grafik und wieder zurück.

Das Ziel des Interviews ist die Erstellung eines möglichst vollständigen biografischen Zeitbalkens. Während des Interviews werden von den Interviewten i.d.R. Erzählungen mitgeliefert. Diese Narrative sind interessant und werfen Themen auf, die allerdings nicht im Rahmen des biografischen Interviews ausführlich behandelt werden sollen. Es empfiehlt sich, dafür Interesse zu zeigen, dann aber wieder relativ bald auf das Instrument zu fokussieren. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Faktenfokussierung unterlaufen wird und ein Abschluss der Zeitbalkenerstellung in weite Ferne rückt.

So weit nur irgend möglich sollte die Terminisierung der biografischen Ereignisse genau erfolgen. I.d.R. reicht dafür die Erinnerung der interviewten Personen nicht aus, sondern müssen Recherchen erfolgen bzw. Dokumente herangezogen werden. Die Genauigkeit der Darstellung hat daher Vorrang vor einem raschen Abschluss des Verfahrens. Gegebenenfalls ist daher ein zweiter Interviewtermin anzusetzen. Zwichen dem ersten und dem zweiten Termin kann die Erzählerin bzw. der Erzähler recherchieren und Dokumente zu Rate ziehen. Manchmal ergeben sich so wesentliche Ergänzungen und Korrekturen zur erinnerten Geschichte. Wie auch in anderen Gesprächssituationen wird das Interesse am realen Ablauf von den KlientInnen kaum jemals als mangelnder Respekt empfunden, sondern eher als Ausdruck von Anerkennung und ehrlichem Interesse.

In den Kommentaren sollte die Interviewerin dosiert Anteilnahme ausdrücken („das muss eine sehr schwierige Zeit für Sie gewesen sein“), dann aber immer wieder loben bzw. Anerkennung aussprechen („Trotz der Trennung der Eltern ist es Ihnen gelungen, die Schule ohne Verzögerung abzuschließen! Wie haben Sie das geschafft?“; „In dieser Lebensphase hatten Sie ja viele Schicksalsschläge auszuhalten! Wie ist Ihnen das gelungen?“).

Detailliertere Hinweise für die Interviewführung finden Sie auf www.pantucek.com.