Biografischer Zeitbalken

Der Biografische Zeitbalken ist eine Notation, eine bestimmte im Kontext Sozialer Arbeit nützliche Art, Daten aufzuzeichnen und so einer Interpretation zugänglich zu machen.

In dem Maße, wie das in Kooperation mit den KlientInnen geschieht, wird deren Eigendiagnose zur Diskussion gestellt und die Anamnese weist Merkmale eines Beratungsgesprächs auf. Anders als beispielsweise die Netzwerkkarte (siehe www.easynwk.com), welche die soziale Geografie der lebensweltlichen Einbindung der Ankerperson in den Blick nimmt, systematisiert und visualisiert der biografische Zeitbalken die Individualgeschichte in mehreren Dimensionen. Das Instrument wurde in der niederländischen Sozialpsychiatrie für das Intake entwickelt. Es bildet die wichtigsten lebensgeschichtlichen Daten entlang einer Zeitachse ab und ermöglicht die parallele Notation verschiedener Dimensionen der Biografie.

Besonderheiten der Diagnostik mit dem biografischen Zeitbalken:

  • Die Biografie wird als mehrdimensionales Geschehen aufgefasst und auch so abgebildet.
  • Die Darstellung auf der Timeline erfordert die Erschließung  von biografischen Fakten und Daten, die nicht alle in der Erinnerung der Interviewten präsent sind. Damit verbindet das Verfahren Elemente einer aktengestützten Anamnese mit den Narrationen der Person. Die Daten kommentieren die Narration, die Narration kommentiert die Daten.
  • Den Narrationen wird mit der Timeline eine grafische Darstellung hinzugefügt, die neue Blicke auf die Biografie ermöglicht.


Für das biografische Interview mit dem Zeitbalken stehen mehrere Möglichkeiten der Aufzeichnung zur Verfügung:

  • Die hier vorgestellte Software easyBiograph, entwickelt vom Ilse Arlt Institut der Fachhochschule St. Pölten in Kooperation mit dem Studiengang "Industrial Simulation" der FH St. Pölten
  • Die Eintragung der Life Events kann auf einem großen Bogen Papier – am besten mit Bleistift, weil erfahrungsgemäß oft korrigiert werden muss – erfolgen. Vor Beginn des Interviews sollten bereits die Zeilen und die Beschriftung mit Jahreszahlen vorbereitet sein.
  • Es gibt Vorlagen in Word und Excel, die die Erstellung der Grafik auf dem Computer ermöglichen (www.pantucek.com). Für die Handhabung im Interview ist einige Übung erforderlich, dafür ist die so entstehende Grafik schöner und leichter interpretierbar. Korrekturen können einfacher vorgenommen werden.

Wenn eine der ersten beiden Varianten gewählt wird, treten häufig Ungenauigkeiten in der grafischen Darstellung auf, vor allem bei knapp aufeinanderfolgenden Ereignissen. Bei der Verwendung der Software ist das sehr selten, da in einer Dialogbox bei jedem Ereignis noch der genaue Zeitpunkt eingetragen werden kann.